Tommy Egger

Tommy an Bernds und seinem Inspi-Pult im Schauspielhaus Nürnberg
Tommy an Bernds und seinem Inspi-Pult im Schauspielhaus Nürnberg

Hallo Welt

Mein Name ist Tommy Egger und ich bin Inspizient im Schauspielhaus am Staatstheater Nürnberg.

Wo fang ich an? Ich bin am Tag der 200. „Schweig Bub“-Vorstellung in Nürnberg als Sohn des Requisitenmeisters Michael Egger geboren worden, der an diesem Tag, wie viele Male zuvor die besagte Vorstellung betreute.

Schon als Kind stand ich, gerade bei diesem Stück, neben dem Inspizienten Klaus-Dieter Schulz und hab ihn genervt und das Theater lieben gelernt. Damals war KD noch der junge, langhaarige Mann am Pult, wer hätte gedacht, dass wir dereinst Kollegen werden würden. Und das, obwohl mein Vater damals verlangte: „Bevor du ans Theater gehst, lernst du erst einen anständigen Beruf!“ – Hab ich gemacht. Ich bin ausgebildeter Konditor und am Tag der bestandenen Gesellenprüfung sagte ich: „So, fertig. Ich will immer noch ans Theater!“

Es kam, wie es kommen musste: Mit 18 (schon während der Ausbildung) wurde ich Statist und machte dies nebenher 9 Jahre lang. In dieser Zeit war ich auch regelmäßig Aushilfe in der Requisite und hab dann sogar „Schweig Bub“ betreut, das mit über 700 Vorstellungen immer noch im Programm war.

Irgendwann kam Clarissa Messer, die damalige Assistentin des Schauspieldirektors Klaus Kusenberg, auf mich zu und meinte: Unser Inspizient Peter Rainer geht in Rente und wir finden, dass das dein Job ist. Wir wissen, wie sehr du das Theater und dieses Haus liebst, und du gehörst auf die Bühne. Herr Kusenberg meinte damals noch mit einem Lächeln: Tommy ist für die Außenwelt ohnehin versaut, der muss so oder so ans Theater.

Baff über das in mich gesetzte Vertrauen schaute ich also meinem gehenden Kollegen und dem KD ein halbes Jahr genauer über die Schulter, als ich es als Statist tat, und bekam meine ersten Kammervorstellungen. Stücke die mich heute (arbeitstechnisch) kalt lassen, haben mir damals den Angstschweiß auf die Stirn getrieben, aber nach 6 Jahren hoffe ich, dass ich mich zur Zufriedenheit der Kollegen entwickelt habe.

Ihr könnt euch vorstellen, wie lustig ich es fand, die letzten Vorstellungen von „Schweig Bub“ noch als Inspizient zu betreuen und sogar im Programmheft zu stehen, als es nach über 750 Vorstellungen in Pension geht.

Als ich 18 war, wollte ich unbedingt Schauspieler werden, hab mich aber nicht genug durchgebissen, um an den Schulen genommen zu werden. Heute bin ich froh, dass alles kam, wie es kam. Ich bin abends auf meiner geliebten Bühne und erwecke diese mit vielen Kollegen gemeinsam zum Leben. Und das Spielen hab ich auch nicht ganz abgelegt, die Statisterie war ja lange Zeit ein Teil meines Lebens. Ich kann mich rühmen, Nürnbergs einziger Albrecht-Dürer-Darsteller zu sein, ich liebe es außerdem, in meiner Freizeit zu singen, und ich bin Fantasy-Rollenspieler. Alles in allem also ein Theatermensch wie aus dem Bilderbuch.^^